Die Frage, ob Bio die Welt ernähren kann, stellt sich lt. Hans Herren vom IAASTD (Weltagrarbericht) nicht: Bio muss die Welt ernähren !

Es bedarf einer umweltverträglichen, Ressourcen schonenden und Werte lebenden Landwirtschaft, wenn wir in Zukunft die Weltbevölkerung ernähren wollen. Der Bio-Landbau erfüllt schon heute diese Kriterien.
 

Bio-Landwirtschaft:
wichtiger Lösungsansatz für unsere Ernährungssicherheit

Laut FAO (2002f) leiden etwa 850 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung und ca. 24.000 davon sterben täglich an den Folgen (FAO 2002f)1.

Andererseits waren nach Untersuchungen der WHO im Jahr 2000 mehr als 1 Mrd. Menschen übergewichtig, mindestens 300 Mio. sind adipös (Fettleibigkeit). Davon entfallen 115 Mio. auf Entwicklungsländer und Schwellenländer wie Indien oder China. Somit gibt es mehr übergewichtige als unterernährte Menschen auf der Welt! Das Europäische Parlament (EP) wies in einem am 1. Februar 2007 angenommenen Initiativbericht darauf hin, dass in den letzten dreißig Jahren die Zahl der Fettleibigen im EU-Raum dramatisch angestiegen ist, so dass gegenwärtig rund 27 % aller Männer und 38 % aller Frauen als übergewichtig oder fettleibig gelten müssen2.

 

Weltweit stehen genug Nahrungsmittel zur Verfügung

Weltweit würden genug Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, um alle Menschen satt zu machen (FAO 2002c)3:

Hunger ist die Folge von Armut. In den Entwicklungsländern leben ca. dreiviertel jener Familien, die an Armut und chronischem Nahrungsmangel leiden in ländlichen Gebieten. Ihr Lebensunterhalt ist direkt oder indirekt von der Landwirtschaft oder der Fischerei abhängig. Armut wird meist durch den Mangel an verfügbarem qualitativ gutem Land verursacht. Selbst dort allerdings, wo solches vorhanden ist, führen Mangel an Geld und/oder Know-how für die Produktionssteigerung zu Hunger (FAO 2002a)4.

Hunger trotz Überschüsse in den Entwicklungs- und Schwellenländern

Wenn also weltweit genug Nahrungsmittel zur Verfügung stehen (FAO 2002c), sollte Hunger durch eine gerechte Nahrungsmittelverteilung vermeidbar sein. Das Verteilungsproblem ist jedoch nicht nur ein Verteilungsproblem von den Nahrungsmittel-Überschussländern im reichen Norden zu den Mangelländern im Süden, sondern auch ein Verteilungsproblem innerhalb der Länder des Südens wie folgende zwei Beispiele exemplarisch zeigen sollen:

Argentinien beispielsweise produzierte im Jahr 2001 genug Weizen, um den Bedarf von China und Indien zu decken und ist außerdem der zweitgrößte Produzent von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen. Weder die Produktion von Weizenüberschüssen noch der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen (ebenfalls mehrheitlich für den Export produziert) verhindern, dass in Argentinien Menschen hungern5. Weiters ist z.B. Indien bezüglich Nahrungsgüter per Saldo Selbstversorger. Die Exporte waren fast immer höher als die Importe6, dennoch sind in Indien ca. 25 - 35 % der Bevölkerung unterernährt (FAO 2002d). Dass Menschen an Unterernährung leiden, ist also primär eine Frage der gerechten Verteilung von Ressourcen zwischen armen und wohlhabenden Menschen dieser Erde7.

 

Verschuldungsspirale durch leicht lösliche mineralische Stickstoffdünger und chemisch synthetische Pestizide

Die Verschuldungsspirale der Kleinbauern in Niedrigeinkommensländer mit Nahrungsmitteldefiziten („Low Income Food Deficit Countries“) wurde durch den Kauf von mineralischen Stickstoffdüngern und Pestiziden bewirkt. Denn trotz anfänglicher Ertragssteigerungen nach Anwendung der zugekauften Betriebsmittel nimmt die Bodenfruchtbarkeit rasch ab und führt in Folge zu einer Abnahme der Erträge. Der Versuch, die sinkenden Erträge durch vermehrten Input von leicht löslichen Mineraldüngern und Pestiziden abzufangen, führt schließlich zu einer fast ausweglosen Schuldenspirale und dem fast vollständigen Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Diese Entwicklung wurde sehr früh von NGOs z.B. Greenpeace (2003) oder Friends of the Earth aufgezeigt, und mittlerweile von Institutionen wie beispielsweise IRRI (International Rice Research Institut), die noch vor kurzem die Grüne Revolution favorisierten, mit Sorge betrachtet. Auch Die FAO ( 2007) ist sich bewusst, dass eine Ertragssteigerung ohne Erhöhung von externen Inputs wie mineralische Stickstoffdünger oder Pestiziden erfolgen muss, um die Verschuldung und in letzter Konsequenz Unterernährung und Selbstmorde der Betroffenen in diesen Ländern zu stoppen8.

 

Bio-Landwirtschaft, Lösungen zur Ernährungssicherheit

Bio-Landwirtschaft wird als zentrale Methode angesehen, um sowohl die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern, als auch die Einkommen der Landwirte zu sichern und ihre Verschuldung zu stoppen. Zu diesem Ergebnis kam die FAO aufgrund der Erfahrungen des SPFS-Programmes („Special Programme for Food Security in Low-Income Food-Deficit Countries“) das im Zeitraum von 1994 bis 2006 durchgeführt wurde. Dieses Programm hat in erster Linie das Ziel, Familien durch kleine effiziente, aber dennoch leistbare Verbesserungen zu helfen, die Produktivität in der Landwirtschaft zu steigern9.

Wie oben angeführt hat der Bio-Landbau gerade in den Ländern des Südens eine zentrale Rolle, um kosteneffektiv die Erträge zu steigern. Nach Berechnungen von Badgley et al. ( 2007) auf Basis von weltweit 293 publizierten Studien in entwickelten Ländern mit intensiver Landwirtschaft, machten die mittleren Erträge aller pflanzlichen und tierischen Produkte bei biologischer Bewirtschaftung 92 % der konventionellen Bewirtschaftung aus (Mittelwerte von 160 Studien). Die biologischen Erträge in den Entwicklungsländern lagen bei allen pflanzlichen Produkten gegenüber den konventionellen Vergleichsfeldern bei 174 % (Mittelwert von 133 Studien). In Österreich liegen die Erträge im Bio-Landbau im langjährigen Durchschnitt um 20% - 35% niedriger als in der konventionellen Landwirtschaft. Laut Badgley et al. (2007) kann durch eine Umstellung der weltweit bestehenden Flächen auf Bio-Landbau die selbe Menge an Nahrungsmitteln produziert werden wie heute durch die konventionelle Landwirtschaft, zudem wäre eine weitere Steigerung der Nahrungsmittelproduktion durch Bio-Landbau möglich10.

 

WELTERNÄHRUNG:

  • Der biologische Landbau weist im Schnitt weltweit und bei allen Kulturarten knapp 10 % weniger Ertrag gegenüber der konventionellen Landwirtschaft auf.
  • Bei den österreichischen Buchführungsbetrieben liegen die Erträge im Biolandbau im Schnitt um 20 bis 35 % niedriger.
  • In den USA sind die Erträge zwischen biologischen Landbau und konventioneller Landwirtschaft in etwa gleich.
  • Entwicklungsländer haben durch Bio-Landbau deutliche Mehrerträge in der Höhe von 173% der konventionellen Erträge, wobei zu beachten ist, dass die konventionelle Landwirtschaft in den Entwicklungsländern die extensive (ohne Einsatz synthetischer Düngemittel) Landwirtschaft ist.
  • Auch gegenüber dem Einsatz von leicht löslichen Mineraldüngern konnten durch den biologischen Landbau z.B. in Kenia deutliche Mehrerträge erwirtschaftet werden. Hier macht sich offenbar der günstige Einfluss der biologischen Landwirtschaft auf den Boden und das Wasserhaltevermögen bemerkbar.
  • Das Aufzeigen der Ertragspotentiale des Ökologischen Landbaus soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der wesentliche Teil der Problemlösung in der Sozial- und Wirtschaftspolitik angesiedelt ist. Weder die Gentechnologie, noch die grüne Revolution, noch der ökologische Landbau können die grundlegenden Ungerechtigkeiten in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen und innerhalb der Länder verändern11.

 

 

 

 

 

 

 

 

1 AMA-Studie

2 („fischer weltalmanach, www.weltalmanach.de)

3 „The simultaneous persistence of widespread extreme food deprivation and plentiful food supplies in a world with excellent means of communications and transport can only suggest that there are fundamental flaws in the ways in which nations are functioning and the relationships between them are governed and managed. The situation was described as unacceptable in the Rome Declaration, yet the world continues to live with it and seems not to care” (FAO 2002c).

4 (AMA-Studie)

5 (Parrott und Mardsen 2002) in AMA-Studie

6 (Zingel 1998 allgemein bzw. exemplarisch FAO-STAT 2002, Weizenbilanz für das Jahr 2000) in AMA-Studie

7 (AMA-Studie)

8 (AMA-Studie)

9 (AMA-Studie)

10 (AMA-Studie)

11 (AMA-Studie)

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