Bio-Landwirtschaft erhält die Vielfalt

Die biologische Landwirtschaft mit ihrer ganzheitlichen Sichtweise ist nur mittels entsprechender Biodiversität möglich. So bedingt der Verzicht auf leicht lösliche Mineraldünger eine Artenvielfalt von Bodenlebewesen, die den Boden zu einem lebendigen Ökosystem machen, das den Pflanzen wiederum genug Nahrung bietet. (siehe Kapitel Boden)

Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bedingt eine Vielzahl von Nützlingen wie Vögeln und Insekten, um eine natürliche Schädlingsbekämpfung zu gewährleisten. Diese Nützlinge benötigen wiederum eine Vielfalt an verschiedenen Pflanzen sowie eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft als Lebensraum. Um die Gesundheit von Tieren und Pflanzen am Biohof möglichst ohne Einsatz agrochemischer Hilfsstoffe sicher zu stellen, verzichten viele Biobäuerinnen und Biobauern auf krankheitsanfällige Hochertragssorten bei Pflanzen, bzw. Hochertragsrassen bei Tieren. Statt dessen greifen sie auf die Vielzahl von Pflanzensorten und Tierrassen zurück, die für das Klima und die Umweltbedingungen in ihrer Region gezüchtet wurden.

Somit fördert die biologische Wirtschaftsweise mit einem Verzicht auch chem.-synthetischen Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Mineraldünger die Biodiversität in den Böden, in den Ackerkulturen, im Grünland, auf dem Landwirtschaftsbetrieb und in der Landschaft1.

So finden sich eine bis zu fünfmal höhere Anzahl von Wildkrautarten auf ökologisch bewirtschafteten Flächen2. Während auf einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1.000 verschiedene Arten vorkämen, seien es auf einem mit Pestiziden behandelten Acker nur noch rund halb so viele3.

Weiters zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, dass auf Bio-Getreideflächen schützenswerte Arten der Roten Liste häufiger anzutreffen sind4. So treten auch gefährdete Ackerwildkräuter auf Bio-Äckern häufiger auf5. Auch im Dauergrünland von Bio-Betrieben konnte eine deutlich höhere Artenvielfalt festgestellt werden6.

 

Außerdem haben die Ergebnisse von 44 Vergleichsstudien7 ergeben, dass die biologische

Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen in den meisten Studien eindeutig bessere Auswirkungen auf unterschiedliche Tiergruppen wie z.B. Nützlinge hat: Regenwürmer, Laufkäfer, Spinnen, Tausendfüßer, Wanzen, Milben und Vögel aufzeigen.

Die höhere Vielfalt der Begleitflora von Bio-Getreidefeldern fördert Insekten wie Wildbienen, Honigbienen und Hummeln, welche die Blüten dieser Pflanzen aufsuchen. So ist die Vielfalt an verschiedenen Arten und Anzahl der Bienen drei- bis siebenfach höher als auf konventionellen Vergleichsflächen8.

 

Die Richtlinien des Biolandbaus sehen die Pflege einer reichhaltigen Kulturlandschaft mit Hecken, Rainen, Ackerwildstreifen, Feldgehölzern etc. vor. Die Richtlinie ist jedoch nicht verpflichtend. In vielen Regionen wird aber von einem größeren Teil der Bio-Betriebe die ökologische Agrarlandschaftsgestaltung als Teil des vorbeugenden Pflanzenschutzes praktiziert9 . Vergleiche von konventionellen Betrieben mit Bio-Betrieben in der Schweiz10 und in England11 zeigen, dass naturnahe Flächen auf Bio-Betrieben einen höheren Anteil haben als auf konventionellen Betrieben.

 

 

Chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel sind eindeutig der Hauptgrund für den weltweiten Rückgang der Artenvielfalt. Diese sind in der biologischen Landwirtschaft verboten.

Da der Einsatz von Nützlingen eine wichtige Rolle bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung in der Bio-Landwirtschft spielt, fördern Biobäuerinnen und Biobauern diese durch den Erhalt einer größeren Vielfalt von Flora und Fauna. Zudem begünstigt die Vielfalt von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten ein belebtes, aktives Bodenleben.

Biodiversität im Lebensraum Grünland
>signifikant höhere Anzahl von Arten ( Wildkrautarten, Beitkräuter)
Biodiversität im Lebensraum Acker
Vögel: 6 x Brutreviere, 8 x mehr Populationen

Bienen und Bestäuber
Die Wirtschaftsleistung der Honigbiene weltweit ist enorm groß.
Seit mehreren Jahren Honigbienensterben. Die Wildbienen und anderen
Bestäuber müssen dies ausgleichen, dazu brauchen sie den passenden Lebensraum.

 

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1 Niggli (2007a) führt 17 Studien aus den Jahren 1996 - 2007 an, die dies allesamt belegen. Dabei handelt es sich meist um mehrjährige Studien, die in Mitteleuropa, England, Schweden und in den USA durchgeführt wurden. Die meisten davon wurden in peer-reviewed Journals veröffentlicht. (AMA-Studie)

2 Dies ergab in allen Fällen die Auswertung von 25 verschiedenen Vergleichsuntersuchungen von B. Frieben (Univ. Bonn) im Jahr 1994. (AMA Studie)

3 Persistent negative effects of pesticides on biodiversity and biological control potential on European farmland, Gesellschaft für Ökologie 2009

4 Tauscher et al. 2003 (AMA-Studie)

5 T. Basedow berichtete im Jahr 2002 von häufigerem Auftreten gefährdeter Ackerwildkräuter auf Bio-Äckern (alle zitiert in Tauscher et al. 2003). AMA-Studie

6 zitiert in Tauscher et al. 2003. Dieses Ergebnis hat allgemeine Gültigkeit, wenn Biobetriebe die Wiesen entsprechend den Prinzipien des Biolandbaus standortgerecht düngen und nutzen, also das System des abgestuften Wiesenbaus (Dietl und Lehmann 2004, Dietl und Jorquera 2003) berücksichtigen, AMA-Studie

7 Pfiffner et al. aus dem Jahr 2001. In dieser Meta-Studie wurden wissenschaftliche Versuche sowohl auf landwirtschaftlichen Betrieben wie auch Feldversuche ausgewertet. Die positiven Effekte des Biolandbaus bezogen sich u.a. auf eine höhere Dichte und Häufigkeit sowie auf höhere Artenzahlen bei den erwähnten Nützlingen in den untersuchten Äckern. AMA-Studie

8 FIBL: Bio-Landbau und Biodiversität: Holzschuh,A., Stefan-Dewenter, I., Kleijn, D., TEJA Tscharntke, 2007: Diversity of flower-visiting bees in cereal fields: effects of farming system, landscape composition and regional

context.

9 Worauf auch Tauscher et al. (2003) hinweisen. AMA-Studie

10 FIBL: Bio-Landbau und Biodiversität: Schader et al. 2008

11 FIBL: Bio-Landbau und Biodiversität: Gibson et al. 2007

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