Bio-Landwirtschaft: Basis für gesunde Böden

Boden und Landwirtschaft

Nur fruchtbare Böden erzielen nachhaltig gute Erträge und gewährleisten eine hohe Pflanzengesundheit. Deshalb ist den Menschen seit Jahrtausenden die wichtige Bedeutung eines nährstoffreichen Bodens bewusst und die natürliche Bodenfruchtbarkeit ist der zentrale Erfolgsfaktor für die Landwirtschaft. Denn hohe Pflanzenerträge sichern die Ernährungsbasis für Mensch und Tier.

Doch dieser kostbare Boden wird auf der ganzen Welt weniger, denn auf die Bodenqualität wurde in den letzten 100 Jahren kaum Rücksicht genommen. Monokulturen und große Anbauflächen sorgen mittels steigenden Einsatzes von agrarischen Hilfsstoffen, wie mineralische Dünger und chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel, für ständig steigende Erträge – nicht ohne Folgen! Weltweit werden pro Jahr etwa 140 Millionen Tonnen Düngemittel in den Boden versenkt. Die meisten davon in China, den USA und Indien.1 Noch sind die Ernten zufriede stellend, aber ein Großteil des Boden-Lebens ist durch diese Behandlung verschwunden. Ursprünglich humusreiche Böden verloren allmählich ihre Qualität. Die Folge: In den letzten 40 Jahren ging ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Flächen auf unserem Planeten durch Abtragung der obersten Bodenschicht durch Wind und Wasser verloren2. Das sind rund 10 Millionen Hektar Ackerland pro Jahr3. In Mitteleuropa verschwindet auf diese Weise alle 10 Jahre ein halber Zentimeter Boden. Das ist ungefähr ein halber Meter in tausend Jahren. Es dauert aber mindestens 10.000 Jahre, bis sich ein vollwertiger Boden aus Gestein neu bildet4.
 

Außerdem sinkt wegen des rapiden Anstiegs der Weltbevölkerung und deren Flächennutzung für Wohnen, Verkehr und wirtschaftliche Tätigkeiten (und in deren Folge Versiedelung und Verseuchung des Bodens) die durchschnittliche landwirtschaftliche Fläche, die pro Kopf jedem Erdenbewohner (statistisch gesehen) zur Erzeugung von Nahrungsmittel zur Verfügung steht. Stand 1950 noch jedem Menschen 0,23 ha zur Verfügung, sind es derzeit gerade noch etwas über 0,1 ha. Diese weltweite negative Entwicklung verringert kontinuierlich Land zur Lebensmittelerzeugung und gefährdet somit die zukünftige menschliche Ernährungssicherheit5.

 

Bio-Landwirtschaft und seine Beziehung zum Boden

  • Die ganzheitliche Wirtschaftsweise der Bio-Landwirtschaft legte von jeher großen Wert auf die Nährstoffversorgung der Pflanzen durch einen gesunden, lebendigen Boden, und nicht durch mineralische („Kunst“-)Düngemittel. Somit gehört die natürliche Bodenfruchtbarkeit durch den Aufbau von Humus zu den tragenden Säulen der biologischen Wirtschaftsweise. Dementsprechend konnten höhere Humusgehalte in der biologischen Landwirtschaft durch mehrere Langzeitversuche in verschiedenen Ländern nachgewiesen werden6. Entsprechend der artgerechten Tierhaltung über der Erde achten Biobäuerinnen und Biobauern auch bei der „Tierhaltung unter der Erde“ besonders darauf, dass die Gesundheit der Bodenlebewesen durch freie Entfaltungsmöglichkeiten und richtige Ernährung sicher gestellt ist.

 

Bio-Landwirtschaft schafft günstige Voraussetzungen für einen höheren Humusgehalt und Schutz vor Abtragung des Bodens durch:

  • Aufbau von Humus durch Erhalt der Boden-Kreisläufe durch Verzicht von chem. mineralische Dünger und chem. synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Schutz vor Abtragung des Bodens durch Gründüngung, Zwischenfrüchte, Kleegrasuntersaaten und reduzierte Bodenbearbeitung
  • Vermehrtes Anlegen von Saumstrukturen, die Abtragung des Bodens durch Wind verhindern
  • Erhalt und Aufbau von diverser, akitver mikrobieller Biomasse und Bodenfauna
  • Aufbau von höherer Aggregatstabilität zum Widerstand gegen Erosion.

 

 

1 Humusfilm

2 dies wird unter dem Fachbegriff Erosion zusammengefasst

3 Pimentel 2006

4 aid-DVD

5 Pimentel 2006

6 Hartl und Erhardt 2005; Diez et al. 1991; Fließbach et al. 2007; Armstrong Brown et al. 2000; Liebig und Doran 1999; Clark et al. 2008; Pullman et al. 2003

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